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Einheimische Hölzer im Bogenbau

In den letzten Jahren wurde sehr viel hinsichtlich der Verwendbarkeit verschiedenster Hölzer veröffentlicht. Ich hatte sogar manchmal den Eindruck, ist einmal ein Bogen mit einem bis dato"nicht bekannten Bogenholz" gelungen, wurde in verschiedensten Foren bereits dieses Holz als absolut tauglich beschrieben, ohne Erfahrungswerte mit einzubeziehen. Auch wir (die Holzbogenwölfe) haben viel experimentiert, doch letztendlich waren es die seit Jahrtausenden verwendeten Hölzer, die wirklich gute Selfbögen (1 Stück Holz ohne Backing) ergaben. Eibe und Osage Orange wären hier primär zu nennen, wobei wir auch die Erfahrung gemacht haben, dass der Qualitätsunterschied innerhalb der Holzsorten von größerer Bedeutung ist, als die die eigentliche Holzwahl. Eine sehr gute Esche ergibt einen besseren Bogen als eine schlechte Eibe. Natürlich unübertroffen ist die Schönheit von Eibe und Osage Orange.





An der Eibe ist fast alles giftig, im "Das Bogenbauer-Buch: Europäischer Bogenbau von der Steinzeit bis heute" (Verlag Angelika Hörnig, 2006) gibt es von Ulrich Stehli einen bemerkenswerten Beitrag zum Eibenholz und vor allem eine Erklärung, warum dieses Holz für den Bogenbau sehr geeignet ist.





Bei der Robinie sind Splint- und Kernholz sind farblich deutlich voneinander zu unterscheiden, das Splintholz muss entfernt werden. Dieses Holz ergibt hervorragende Flachbögen, ist für Langbögen ungeeignet. Wenn man die Wurfarme zu schmal gestaltet oder das Design des Bogens nicht passt, antwortet dieses Holz mit Stauchrissen am Bogenbauch. Es hat gute Festigkeits- und Elastizitätseigenschaften, ist mittelschwer und ziemlich hart. Es lässt sich gut bearbeiten und auch die Oberfläche gut behandeln. Es stammt ursprünglich aus Amerika, wird auch das "Osage" Europas genannt. Eigentlich nicht ganz nachvollziehbar, denn Osage Orange (Maulbeergewächs) wurde als Heckenholz eben auch von Amerika importiert und wächst schon lange in Ungarn. Robinien findet man in unseren Wäldern (Kärnten/Österreich) viele, es lohnt sich immer mit offenen Augen durch den Wald oder Parks zu gehen, aber bitte vorher fragen, wenn man ein bogentaugliches Stück Holz "erspäht :-)", bevor man zur Säge greift. Qualitativ hochwertige Robinien ergeben herausragende Flachbögen.





Die Ulme ist ein mittelschweres ziemlich hartes Holz. Sie ist sehr elastisch und zäh, allgemein gut bis befriedigend zu bearbeiten und gut polierbar. Durch das sogenannte Ulmensterben sind die Bestände stark dezimiert, sodass das Holz in der gewünschten Qualität nicht leicht zu bekommen ist. Die Ulme eignet sich sowohl für Flachbögen als auch für Langbögen und ergibt bei guter Qualität "hervorragende Bögen". Ulme ist für mich der "Allrounder" im Bogenbau.


Die Esche ist ein mittelschweres Holz, besitzt eine hohe Elastizität und große Zähigkeit. Sie ist gut zu bearbeiten, gut beizbar und polierbar. Da Esche gerade wächst und leicht zu beschaffen ist, eignet sich dieses Holz besonders für Anfänger im Bogenbau. Es gibt sogar Bogenschützen, die gewinnen mit einem englischen Langbogen aus Esche Turniere :-). 

Osage Orange

Osage gehört zu den Maulbeergewächsen und abgesehen von seiner Schönheit hat dieses Holz eine sehr hohe Elastizität mit sehr guten Festigkeitseigenschaften. Dieses Holz bekommt man mittlerweile zu einem vernünftigen Preis in Ungarn. Der Nachteil dieses Holzes liegt in seinem Wuchs, oft mit vielen Ästen und nicht gerade gewachsen, ergeben sich auf natürliche Weise "Charakterbögen". Ist als Anfängerholz zu schade, sollte erst mit einer gewissen Erfahrung verwendet werden. Als einheimisches Holz möchte ich es aber nicht bezeichnen. Als Bogenholz gehört es zu den besten und auch bewährten Hölzern.

Ein Stück Holz versus Laminatbauweise?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Eibe, Robinie, Ulme und Esche verlässliche einheimische Hölzer sind, wenn es darum geht, einen Bogen aus einem Stück Holz zu fertigen. Ein wenig anders sieht es bei verleimten Laminaten aus. Neben den oben genannten kann man eine breite Palette von Hölzern verwenden, wenn die Qualität stimmt. (Ahorn, Kirsche, Eberesche, Hainbuche, Nussbaum, exotische Hölzer wie Ipe ...). Hickory wird als Backing sehr oft verwendet, ist aber so wie Osage Orange kein einheimisches Bogenholz. Wenn es aber darum geht, Eibe-Kernholz sicher zu verbauen, würde ich aber dennoch zu Hickory greifen. Außerdem schont eine Laminatbauweise auch Ressourcen, denn es kann Holz verwendet werden, das nicht die hohe Qualität aufweisen muss, wie für einen Bogen aus einem Stück Holz.

Warum nicht Bambus?

Bambus erlaubt zwar Konstruktionen, die mit Holz kaum bis nicht mehr möglich sind, hat aber im Grunde mit dem historischen europäischen Bogenbau soviel zu tun, wie eine Harley Davidson mit einem Racing-Motorrad von Kawasaki. Obwohl es in den letzten Jahren zunehmend als Backing-Material bei englischen Langbögen und auch vielen Flachbögen Verwendung findet, um noch mehr Leistung aus den Naturmaterialien herauszukitzeln, ist und bleibt Bambus traditionelles Material aus Asien. Ich habe noch keinen historischen Bogenfund in der Literatur gefunden, wo im europäischen Raum Bambus als Backing verwendet wurde. In Japan gibt es sehr wohl Nachweise, dass Holz-Bambusverleimungen bis ins 9./10. Jhdt. zurück gehen. Bis zur heutigen Bauweise der japanischen Bögentypen, in der Bambus eine wesentliche Rolle spielt, sowohl als senkrechte Innenlagen und auch Decklagen, ist mir zB kein historischer Bogen bekannt, der im Flachbogendesign mit einem Osagebauch und einem Bambusbacking gebaut wurde.

Bei Wettkämpfen muss ich oft schmunzeln, wenn es heißt, "Historischer Bogen", so wie er bis 1900 verwendet wurde (laut Definition eines großen Weltverbandes) und man sieht einen Osage Flachbogen mit Bambusbacking. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand das historische Vorbild erklären könnte. Japanische Bögen sehen nicht wie Flachbögen aus.

Es geht aber auch nicht darum, jetzt ein historisches Abbild von den Maßen her zu schaffen, sondern man muss einen Bogen der Vergangenheit schon der Größe des Schützen anpassen. Flachbögen und Stabbögen müssen den Auszug des Schützen vertragen, d.h. bei einem kurzen Auszug kann auch der Bogen grundsätzlich kürzer gehalten werden.

Englische Langbögen aus dem 18./19. Jhdt. wurden bereits in Laminatbauweise gebaut, allerdings hatte man aufgrund der nicht all zu hohen Qualität der Leime mit der Feuchtigkeit doch erhebliche Probleme und so war die gängige Meinung von damals: "Der Laminatbogen ist einem Bogen aus einem Stück Holz unterlegen, weil die Verklebung versagen würde". Wie dem auch sei, ein ELB in Laminatbauweise mit verschiedensten Holzarten, ist als historisch anzusehen. Ein Backing aus Bambus wurde meines Wissens aber nicht verwendet.

Und zu guter letzt noch eines: Bambus ist kein Holz, sondern Gras!
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